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Glück auf: "Lithiumgier" oder Berggeschrey

Einst furchtsam "Dunkel- oder Finsterwald" genannt, trägt das Gebiet heute den Namen "Erzgebirge", obendrein den hart erkämpften Titel "Weltkulturerbe" - eine Würdigung der jahrhundertelangen Bergbautradition, deren Spuren noch immer Landschaft und Bauwerke prägen. Zinnwald oder Altenberg würde es vermutlich in dieser Form nicht geben, hätten sich nicht Bergleute ab dem späten 13. Jahrhundert auf der Suche nach ergiebigen Erzadern erfolgreich bis in die Kammlagen eben dieses Finsterwaldes hinaufgearbeitet.

Der Bergbau fand kurz nach der Wende sein Ende. Möglicherweise nur vorläufig. Das Sächsische Oberbergamt in Freiberg spricht von einem denkbaren Comeback. Rund um Altenberg wird das vor allem mit der Lithium Zinnwald in Verbindung gebracht, einem Unternehmen, dass sich anschickt, eines der größten Lithiumvorkommen Europas zu erschließen. Über die Auswirkungen des Projekts gibt es seit Bekanntwerden äußerst unterschiedliche Auffassungen. Protestbanner gegen "Lithiumgier" markieren unter Verweis auf Natur und Lebensraum harte Ablehnung.

Auf der anderen Seite des weiten Meinungsspektrums befinden sich jene, die in dem Vorhaben die einzige Chance sehen, der Region zu wirtschaftlichem Aufschwung und Wohlstand zu verhelfen, Zuzug von Fachkräften und jungen Familien erwarten und die bergbaulichen und umwelttechnischen Risiken auch vor dem Hintergrund in Deutschland besonders strenger Genehmigungsverfahren für beherrschbar halten. Diese unterschiedlichen Positionen prallten auch im zurückliegenden Bürgermeisterwahlkampf in Altenberg mehr als einmal aufeinander.

Den Ausgang der Wahl kann man gut und gern als belastbares Stimmungsbild heranziehen. André Barth hat in den zahlreichen Bürgerforen immer wieder erklärt, welche Chancen in dem Projekt schlummern aber auch die Risiken angesprochen, die allerdings in einem langem Prüfverfahren ausgeschlossen werden müssen, bevor der erste Grubenhunt die Stollen verlässt. Bis dahin ist es noch immer ein langer Weg, auf dem aber auch schon einige Meilensteine bewältigt und viele Millionen Euro in Erkundung und Studien investiert worden sind.

Eines kann man auf jeden Fall konstatieren: Hinter verschlossenen Türen findet auf dem Erzgebirgskamm kaum etwas statt. Das Unternehmen Zinnwald Lithium pflegt eine transparente Kommunikationsstruktur, die man bisher durchaus als beispielhaft bezeichnen kann. Fragen werden umfassend beantwortet. Das haben wir bei zwei Besuchen, einer davon sehr kurzfristig ermöglicht, erleben können. Diese Kultur der offenen Türen schafft offenbar Vertrauen bei der Mehrzahl der Bürger vor Ort, von denen viele stolz ihre Bergbautraditionen pflegen und hochhalten.

Gut möglich also, dass das längst erschallende "Berggeschrey" zu einer bergmännischen und wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte heranreift. Anders als vor Jahrhunderten aber ohne Rücksichtnahme auf natürliche Ressourcen und Umwelt nicht ausschließlich Handels- oder Residenzstädte zum Erblühen bringt, sondern wie es Zinnwald Lithium auf seiner Website formuliert, "es als Aufgabe zu betrachten, dafür zu sorgen, dass durch unsere Aktivitäten die lokale Wirtschaft unterstützt wird und die Lebensqualität in der Region bewahrt bleibt."

Unser Land ist nicht ganz so rohstofffrei wie gern behauptet wird. Nicht nur, dass in Norddeutschland Erdgasvorräte für Jahrzehnte, dank grüner Politik unangetastet im Boden schlummern - auch im Erzgebirge sind noch Schätze versteckt, die die heimische Wirtschaft ein Stück unabhängiger vom mitunter instabilen und teuren Weltmarkt machen könnten. Zinnwald Lithium spricht hinsichtlich der Nutzungsdauer von einem Jahreszeitraum "40+". Wir sollten das Vorhaben also mit klugem Blick auf die Chancen und Aufmerksamkeit für die Risiken begleiten.

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