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Muss unser Gedenken in Zukunft grundsätzlicher sein?
Am 19.12.2016 habe ich fassungslos die Nachrichten gehört und im Internet die eingehenden Meldungen verfolgt. TV-Sender hatte ich 2016 schon lange aus meinem Medienkonsum gestrichen. Was da an Nachrichten anlandete war so ungeheuer und so monströs, dass ich die Geschehnisse erst einmal verarbeiten musste. 12 Tote und 70 Verletzte. Es war das eingetreten, was wir bereits im September 2015 durchdekliniert hatten.
In einen Weihnachtsmarkt in Berlin, am Breitscheidplatz, war ein LKW gerast. Den ganzen Tathergang und die Details kennen wir alle, diese erspare ich mir an dieser Stelle. Am 20.12.2016 bin ich mit meiner Frau nach Berlin gefahren, um zu trauern. Es war ein würdiges Gedenken, ohne politisches Spektakel und Parteigerede. Wir hatten auf einige 100 Leute gehofft, erschienen waren eher eine Handvoll, beziehungsweise eine kleine Schar.
Viele Berliner zog es weiterhin zum Weihnachtsmarkt und zum Kauf der bunten Weihnachtswelt an ebenso bunten Buden. Diese Stadt hätte eigentlich erstarren müssen. Auf der Rückreise von Berlin fasste ich den Entschluss, den Opfern und dem Tag des 19.12. eines jeden Jahres würdig zu gedenken. Am 19.12.2017 war es dann so weit. Als Veranstaltungsort hatten wir die Gedenkstele der VVN gegenüber der Sparkasse gewählt, dies erschien uns in der Mitte von Pirna der einzige Ort, der irgendwie passend erschien.
Als Format hatten wir bewusst eine Andacht gewählt, ein mir bekannter Pfarrer hielt eine gute Predigt, die sich aus der Sicht der Bibel mit dem Geschehenen beschäftigte. Ein Trauerkranz mit den Namen der Opfer und 12 Kerzen. Zum Abschluss eines der schönsten Lieder, die unser Volk hat: "Kein schöner Land in dieser Zeit". So halten wir das seit 2017 jedes Jahr. Die Schar, die mit uns gedenkt, ist mal größer und mal kleiner.
Neun Jahre erschaffen eine gewisse Kontinuität, der Gärner, bei dem wir den Kranz bestellen, kenn uns schon, das Ordnungsamt auch und war immer kooperativ. Der Ort unseres Gedenken ist uns manchmal mit den üblichen Floskeln vorgeworfen worden, die Kerzen wurden gestohlen, die Schleifen am Trauerkranz abgeschnitten, beziehungsweise mit Parolen übermalt. Erbärmlich, wer so etwas tut, er tanzt auf den Gräbern der Toten, denen wir gedenken.
Schnitt: Am 19.12.2024 unser Gedenken, am 20.12.2024 rast ein 300 PS starkes Auto in den Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Auch hier Monstrosität, Fassungslosigkeit. Wir versammeln uns wieder vor unserem gerade erst abgelegten Kranz und den eben entzündeten Kerzen. Wann sollen wir nun in Zukunft der vielen Toten gedenken? Muss unser Gedenken in Zukunft grundsätzlicher sein? Passt der Ort unseres Gedenkens noch?
Am 20.12.2024 fasste ich den Entschluss, in Pirna eine eigene Gedenkstele für die Opfer von Terror und Gewalt zu errichten. Und hier wird die ganze Sache eine Angelegenheit der Politik, der Kommunalpolitik. Wie ja vieles dort für denjenigen mündet, der sich grundsätzlich seine Gedanken macht. Wir sind seit dem Jahr 2024 drangeblieben, mit den Fraktionen von AfD und den Freien Wählern im Stadtrat von Pirna.
Schlussendlich wurde im Stadtrat Pirna ein entsprechender Beschluss gefasst, mit einer knappen Mehrheit, aber mit einer Mehrheit. Gegen den Willen des Baubürgermeisters und mit der Stimme des Oberbürgermeisters Tim Lochner, der auch die vielen Jahre bei unserem Gedenken mit getan hat, damals noch als Bürger der Stadt Pirna und nun entscheidend als Oberbürgermeister. Gibt es ein besseres Einmünden und ein besseres Fortsetzen gesellschaftlichen Engagements in politische Verantwortung?
Am 19.12.2026 werden wir zehn Jahre nach dem Attentat von Berlin in Pirna eine Gedenkstele einweihen und damit endlich einen würdigen Ort zum Gedenken haben. Zitat aus der Predigt am 19.12.2017: "Kraft, Frieden, Gerechtigkeit für die Opfer, aber auch für uns, unsere politische Klasse und unser ganzes Volk. Allmächtiger und barmherziger Gott, steh uns bei auf dem Weg, der vor uns liegt!"
Daniel Heimann
Vorsitzender der AfD-Fraktion im Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge